Cloudability: Mit Durchblick in die Multicloud

Mittwoch, 08. Juni 2022, 11:58 Uhr

Wer heute eine IT-Infrastruktur aufbauen will, muss seine Server nicht länger im eigenen Datacenter bereitstellen, was häufig mit enormen Vorabinvestitionen und langen Bereitstellungzeiten verbunden ist. Diese Hürden entfallen bei der Nutzung der Public Cloud. Kunden profitieren außerdem von Skaleneffekten (economies of scale) der großen Provider und zahlen nur für das, was sie wirklich nutzen. Bei größeren Umgebungen und vor allem bei der parallelen Nutzung von mehreren Cloud Providern (Multicloud) kann man allerdings genau darüber schnell den Überblick verlieren – und hier kommt Cloudability in Spiel.

Cloudability ist eine Cloud-Finanzmanagementplattform (SaaS) der Firma Apptio. Das Tool bietet eine gebündelte Schnittstelle für die Verwaltung von Multicloud-Umgebungen im Public Cloud-Sektor. Der Fokus sind hierbei Reporting, Notification und Recommendations (Rightsizing, Saving Plans) für die verwaltete Cloud-Infrastruktur. Wir haben uns das Tool einmal genauer angeschaut und möchten hier einen kurzen Überblick über die Kernfunktionalität und einige Vor- und Nachteile der Software gegenüber den nativen Tools der Cloudprovider geben.

Was kann Cloudability?

Cloudability ermöglicht es, Umgebungen unterschiedlicher Provider von einem Ort aus zu verwalten, fügt neue Metriken und logische Strukturen ein, um Cloud-Ressourcen zu organisieren und zu bewerten, vereint die nativen Tools der verschiedenen Provider und erweitert diese um zusätzliche Funktionen. Aktuell werden die Public Cloud Provider AWS, Azure and GCP unterstützt. Weiterhin sind Integrationen für JIRA, PagerDuty, Datadog und New Relic vorhanden.

Die Einrichtung

Der Zugriff auf das Tool erfolgt entweder über die grafische Oberfläche via Browser oder die vorhandene Rest-API, welche vor allem für die externe Automatisierung interessant ist. So können beispielsweise automatisiert Live-Reports oder Rechnungen für Kunden erstellt werden. Die Integration in die bestehende Infrastruktur erfolgt mittels Scraping. Das initiale Setup ist auf der Cloudability-Website verständlich dokumentiert und dauert pro Provider zirka 20 Minuten (Grundkenntnisse im Providerumfeld sind erforderlich). Bis die ersten Daten in Cloudability auftauchen, kann es allerdings bis zu 24 Stunden dauern.

Der erste Eindruck
Abbildung 1: Beispiel Dashboard (Quelle: https://www.apptio.com/de/products/cloudability/)

Nach dem Login wird man zunächst von einem Dashboard begrüßt. Cloudability stellte uns zu Testzwecken mehrere Templates bereit, die je nach den eigenen Anforderungen eine gute Basis darstellen. Alternativ steht es dem Benutzer frei, auf einer weißen Leinwand selbst kreativ zu werden. Sämtliche Dashboards lassen sich nach Belieben anpassen, speichern, duplizieren und mit anderen Nutzern und Gruppen teilen. Die Zahl der verschiedenen Filter und darstellbaren Metriken ist dabei schier grenzenlos. Hier hat Cloudability gegenüber den nativen Cloud Provider-Tools ganz klar die Nase vorn.

Ein weiterer Sellingpoint gegenüber den nativen Tools der Cloudprovider ist der TrueCost Explorer, welcher vor allem für Management-Präsentationen interessant sein dürfte. Auch hier lässt sich die Ansicht wieder nach Belieben mit Filtern oder interaktiv durch Klicken auf eines der dargestellten Elemente anpassen.

Abbildung 2: Beispiel des TrueCost Explorers (Quelle: https://help.apptio.com/en-us/cloudability/product/explore-cost-drivers-with-truecost-explorer.html)

Eine wesentliche Kernfunktion von Cloudability ist außerdem der Tag Explorer. Dieser ist zwar kein Blickfang wie Dashboards und TrueCost Explorer, dafür aber umso praktischer im Multicloud-Kontext. Mithilfe des Tag Explorers lassen sich nämlich Provider-übergreifend Tags zusammenfassen und dadurch Naming Conventions verschiedener Umgebungen und Teams vereinheitlichen, sowie Abhilfe bei Typos schaffen oder Tags schlichtweg umlabeln.

Abbildung 3: Beispiel des Tag Explorers (Quelle: https://help.apptio.com/en-us/cloudability/product/build-an-aws-cost-by-tag-report.html)
Weitere Funktionen

Neben den genannten Funktionen sind die Erstellung von Reports, welche nicht nur exportiert, sondern – anders als zum Beispiel im Basis Support Level von AWS – auch per Mail abonniert werden können, die Funktionen zur Verwaltung von Container Cloud-Ressourcen, Reserved Instances, Saving Plans, sowie Anomaly Detection, Budgets und Forecasting interessant. Grundsätzlich findet man hier sämtliche Funktionen der großen Cloud-Provider wieder, wobei Cloudability immer noch „ein bisschen mehr“ kann als die nativen Tools der Provider.

Wirklich interessant wird es außerdem bei den Menüs „Accounts and account groups“ beziehungsweise „Business Dimension“. Zum einen können hiermit Provider-übergreifend Accounts zu Gruppen zusammengefasst werden (z.B. pro Usecase oder Department), zum anderen können mithilfe einfacher logischer Operatoren (AND, OR, etc.) beliebig komplizierte Dimensionen erzeugt werden, nach denen Cloud-Ressourcen ebenfalls gefiltert werden können.

Wir konnten die meisten Funktionen durch Anbindung unserer eigenen AWS Cloud selbst testen und dabei durchweg positive Erfahrungen mit dem Tool machen. Die meisten Funktionen sind selbsterklärend. Die vielen Filtermöglichkeiten wirkten auf den ersten Blick zwar manchmal erschlagend, auf den zweiten Blick waren die Optionen aber durchaus durchdacht und zugänglich.

Nun klingt das alles schon fast zu schön, um wahr zu sein. Darum müssen wir an dieser Stelle auch kurz
über die Einschränkungen des Tools reden. Für die Nutzung von Cloudability mit Microsoft Azure wird ein Enterprise Agreement / Microsoft Customer Agreement benötigt. Das Azure “Pay-as-you-go“ Pricing-Modell wird aktuell nicht unterstützt. Des Weiteren verfügt das Tool nur über sehr wenige Automatisierungslösungen (z.B. Herunterfahren von ungenutzten Ressourcen über Nacht), stattdessen operiert es vorrangig im „read-only“ Modus und sieht Automatisierung von außen vor. Nicht zuletzt sollte darauf hingewiesen werden, dass das Tool zwar Inkonsistenzen zwischen verschiedenen Umgebungen ausgleichen kann, die eigentliche Konfiguration der Cloud-Ressourcen, wie zum Beispiel das Tagging, aber weiterhin auf Provider Ebene stattfinden muss.

Kostenlos ist das Ganze natürlich auch nicht, wobei das Preismodell durchaus fair ist: Die Jahresgebühr berechnet sich anteilig aus den Kosten des verwalteten Portfolios und liegt typischerweise zwischen 2 und 3 Prozent der Ausgaben. Die Höhe des Anteils ist unter anderem abhängig von der Laufzeit und der Höhe des Cloud Spends.

Fazit

Cloudability ist ein umfangreiches Tool, welches im Kontext Finanzmanagement in der Multicloud kaum Wünsche offenlässt. Der Fokus des Tools (Visualisierung, Reporting, Notification, Recommendation) ist klar erkennbar und es ist hervorragend in dem was es tut. Das Preismodell orientiert sich an den jährlichen Kosten der verwalteten Ressourcen, was ein fairer Ansatz ist. Sofern Microsoft Azure genutzt werden soll, muss auf die entsprechende Lizenz geachtet werden.

Als vollwertige Automatisierungslösung ist es nicht geeignet, kann aber über die REST-API als Teil einer solchen genutzt werden. Während sich für kleinere Cloudumgebungen die Frage stellt, ob der tatsächliche Mehrwert das zusätzliche Tool „on-top“ tatsächlich rechtfertigt, macht es für komplexe (Multi-)Cloud-Umgebungen nach unserer Einschätzung durchaus Sinn, um hier den Überblick zu behalten und finanziell vorteilhafte Entscheidungen treffen zu können.


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